visuplus® Magazin

Versteckte ERP-Kosten: Warum die Wahl der Datenbank über Ihr Budget entscheidet

von | 04.02.2026 | Digitalisierung & Praxis | 0 Kommentare

Viele ERP-Systeme basieren auf kostenpflichtigen Plattformen wie FileMaker. Das bedeutet: Jährliche Zusatzkosten pro Nutzer und Abhängigkeit. Erfahren Sie, warum offene SQL-Datenbanken (Firebird) für Ingenieurbüros die wirtschaftlichere und sicherere Wahl sind.

Bei der Auswahl einer neuen ERP-Software liegt der Fokus meist auf Funktionen, Oberflächen und Einführungskosten. Was oft im Kleingedruckten verschwindet, ist die Technologie unter der Haube. Dabei entscheidet die Wahl der Datenbank-Plattform massiv über Ihre langfristigen Betriebskosten (TCO) und Ihre Datenhoheit. Ein kritischer Blick auf proprietäre Plattformen wie FileMaker im Vergleich zu offenen SQL-Standards.

Viele spezialisierte ERP-Systeme für Ingenieurbüros basieren historisch auf Plattformen wie Claris FileMaker. Das hat Gründe: Solche Systeme ließen sich früher schnell entwickeln. Für Sie als Anwender bedeutet das heute jedoch oft: Neben der Lizenz für das ERP-System zahlen Sie eine zweite Miete für die Datenbank – und zwar pro Benutzer, jedes Jahr.

Die Kostenfalle: Warum der „Motor“ extra kostet

Proprietäre Datenbank-Plattformen werden meist pro „User“ lizenziert. In der Standardstaffel (5–99 Nutzer) liegt der Listenpreis für eine solche Datenbank-Lizenz schnell bei ca. 150 € pro Mitarbeiter und Jahr.

Ein Rechenbeispiel für ein Ingenieurbüro mit 40 Mitarbeitern:
Allein für das Recht, die Datenbank technisch nutzen zu dürfen, fallen jährlich rund 6.000 € an. Auf eine typische Nutzungsdauer von 10 Jahren gerechnet, sind das 60.000 € Zusatzkosten – ohne dass Sie auch nur eine einzige ERP-Funktion mehr haben als bei einer lizenzfreien Alternative.

Vendor-Lock-in: Wie komme ich an meine Daten?

Noch kritischer als die Kosten ist die Frage der Datenhoheit. Proprietäre Systeme speichern Daten oft in speziellen Container-Formaten. Im Gegensatz zu offenen SQL-Datenbanken (wie Firebird oder PostgreSQL) ist ein „Mal eben schnell exportieren“ hier oft schwierig.

Stellen Sie sich vor der Unterschrift folgende Fragen:

  • Das Format: Liegen meine Daten in einem Standard-SQL-Format vor oder in einer proprietären Datei, die ich ohne die Software des Herstellers nicht mehr lesen kann?
  • Der Export: Was passiert, wenn ich das System wechseln muss? Kann ich meine 500 GB Projekthistorie per Knopfdruck in eine offene Datenbank migrieren, oder bin ich auf teure Dienstleistungen des Herstellers angewiesen?

Performance: Sperren vs. Versionierung (MVCC)

Auch technisch gibt es Unterschiede. Ältere Datenbank-Architekturen arbeiten oft mit „Record Locks“. Wenn Controller A gerade eine Auswertung über das Projekt X fährt, ist der Datensatz für Projektleiter B kurzzeitig gesperrt. In großen Büros führt das zu Wartezeiten („Sanduhr-Effekt“).

Moderne SQL-Datenbanken (wie die von visuplus® genutzte Firebird-Engine) setzen auf MVCC (Multi-Version Concurrency Control). Vereinfacht gesagt: Leser blockieren keine Schreiber. Die Auswertung läuft im Hintergrund, während das Team ungestört weiter Zeiten erfasst.

Der visuplus®-Ansatz: Lizenzfrei und Offen

Wir haben uns bei der Entwicklung von visuplus® bewusst gegen proprietäre Unterbauten und für die leistungsstarke Open-Source-Datenbank Firebird entschieden. Ihre Vorteile als Entscheider:

  1. 0 € Datenbank-Kosten: Egal ob Sie 10 oder 500 Mitarbeiter haben – Sie zahlen keine Lizenzgebühren für die Datenbank. Das Budget bleibt frei für echte Innovationen.
  2. Echte Datenhoheit: Ihre Daten gehören Ihnen. Firebird ist ein offener Standard. Jeder fähige IT-Administrator kann per ODBC oder SQL auf die Daten zugreifen, Backups ziehen oder diese in BI-Tools wie PowerBI auswerten.
  3. Wartungsarmut: Firebird ist als „Admin-freie“ Datenbank konzipiert. Sie benötigt im laufenden Betrieb kaum Pflege durch teure zertifizierte Spezialisten.

Checkliste: 5 Fragen zur „Total Cost of Ownership“ (TCO)

Bevor Sie sich für ein ERP entscheiden, klären Sie die Folgekosten der Datenbank:

  • Lizenz-Dynamik: Steigen die DB-Kosten linear mit jedem neuen Mitarbeiter?
  • Preiserhöhungen: Bin ich abhängig von der Preispolitik eines US-Konzerns (z.B. Claris/Apple, Oracle, Microsoft), auf die mein ERP-Hersteller keinen Einfluss hat?
  • Schnittstellen: Gibt es kostenlose ODBC/JDBC-Treiber für meine eigenen Auswertungen?
  • Zukunftssicherheit: Unterstützt die Datenbank moderne Standards (JSON, TLS 1.3) oder technologische Altlasten?
  • Exit-Strategie: Wem gehören die Verschlüsselungs-Schlüssel bei einer Kündigung?

Fazit: Ein ERP-System muss leistungsstark sein, aber es darf keine versteckte Kostenfalle werden. Wer auf offene SQL-Standards setzt, sichert sich langfristig die wirtschaftlichste und unabhängigste Lösung.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Autor

Martin Hilmer

Martin Hilmer

Als Sales Executive bei visuplus® ist Martin Hilmer täglich im direkten Austausch mit Inhabern von Planungsbüros. Er kennt die wirtschaftlichen Engpässe zwischen HOAI und Controlling nicht nur aus der Theorie, sondern aus hunderten Beratungsgesprächen. Im Magazin teilt er Lösungen für die Probleme, die ihm in der Praxis am häufigsten begegnen.

Weitere Artikel

Ausgewählte Fachbeiträge und wichtige Updates für Ihr Büro – kuratiert von unseren Experten.

März 09 2026

Prognoseplanung im Ingenieurbüro: Warum Prozentwerte das Excel-Chaos beenden und die Liquidität sichern

Eine verlässliche Projektsteuerung erfordert mehr als nur eine saubere Kalkulation. Erfahren Sie, warum die Planung mit kumulierten Prozentwerten fehleranfällige...
März 04 2026

Neuer Wirtschaftsprüfer im Ingenieurbüro? Warum prüfbares Projektmanagement plötzlich zum Vorteil wird

Ein Prüferwechsel ist für viele Ingenieurbüros im ersten Jahr ein echter Zeitfresser. Wir zeigen, warum prüfbares Projektmanagement und eine Software-Zertifizierung...
Symbolbild: Ein chaotischer Kabel- und Zahnradhaufen steht für komplexe Individualsoftware, daneben ein klarer, leuchtender Datenwürfel als Symbol für Standard-ERP.
Feb. 24 2026

Die eRechnung im ERP-System: Export ist Pflicht, strukturierter Import die Kür

Den Export von eRechnungen (XRechnung, ZUGFeRD) beherrschen viele. Doch der echte Produktivitätsgewinn liegt im Rechnungseingang. Erfahren Sie, warum ein strukturierter...
Feb. 19 2026

Teilhonorar nach HOAI 2021: Warum die Siemon-Tabellen so wertvoll sind – und wie ein ERP daraus einen sicheren Prozess macht

Die HOAI 2021 verlangt bei Teilbeauftragungen eine anteilige Abrechnung, liefert aber keine Prozentwerte. Wir erklären, warum die „Siemon-Tabellen“ hier der...
Symbolbild: Sicherer Datentransfer von einem abstrakten Cloud-Konstrukt in einen lokalen, sicheren Tresor als Zeichen für Datenhoheit.
Feb. 18 2026

SaaS-Exit strategisch denken: Datenhoheit, Gesetzgebung und die Rolle lokaler ERP-Strukturen

Ein SaaS-Anbieterwechsel ist oft mit Hürden verbunden. Doch der neue EU Data Act macht den Kampf gegen den Vendor-Lock-in zur Pflicht. Lesen Sie, warum gesetzliche...
Symbolischer Vergleich: Chaotische und teure Individualsoftware als instabiles Bauwerk (links) gegenüber strukturierter Standard-ERP-Lösung als modernes Hochhaus (rechts)
Feb. 12 2026

Individuelle ERP-Systeme im Ingenieurbüro: Freiheit oder Kostenfalle?

Ein eigenes ERP-System entwickeln? Das klingt nach maximaler Freiheit, endet aber oft in der Kostenfalle. Wir rechnen vor: Warum jährliche Wartungskosten von 15–25 %...
Feb. 03 2026

SaaS oder On-Premises? Der große ERP-Vergleich für Ingenieurbüros

Mieten oder Kaufen? Cloud oder eigener Server? Wir erklären die Unterschiede zwischen SaaS und On-Premises und zeigen, worauf Ingenieurbüros bei der Auswahl achten...
Feb. 01 2026

ERP für Planungsbüros im Umbruch: PEP, Abrechnung, Datenhoheit und Customizing

Marktkonsolidierung und neue Lizenzmodelle setzen Planungsbüros unter Druck. Doch Vorsicht: Wer jetzt vorschnell auf Standard-Lösungen setzt, riskiert Engpässe bei PEP...
Jan. 31 2026

IT-Infrastruktur 2026: Warum große Ingenieurbüros auf Hybrid setzen

Alles in die Cloud? Die Marktdaten sprechen eine andere Sprache. Aktuelle Analysen zeigen: Erfolgreiche Ingenieurbüros setzen nicht auf totale Abhängigkeit, sondern auf...
Jan. 31 2026

Cloud-Hype vs. Realität: Warum Ingenieurbüros bei der ERP-Wahl auf Hybrid-Strategien und Datenhoheit setzen

Die IT-Landschaft in deutschen Ingenieurbüros steht vor einem gewaltigen Umbruch. Lange Zeit galt „Alles in die Cloud“ als das unvermeidbare Mantra der Digitalisierung....